Das Ungeborene

Das Ungeborene ist dort, wo du stehst, makellos so, wie es ist.
Alles, was du tun musst, um es zu erkennen, ist:
Du selbst sein, genau wie du bist, und zu tun, genau was du tust,
ohne Kommentar, ohne Befangenheit oder Urteil.

(Meister Bankei)

Erleuchtung und Täuschung

Mein Leben mag trist wirken, aber ich gehe meinen Weg in aller Ruhe.
Ich habe drei Quart Reis in meinem Sack, ein Bündel Feuerholz neben dem Herd.
Wenn ich gefragt werde, worin sich Erleuchtung und Täuschung unterscheiden lässt sich das nicht sagen – Ehre und Reichtum sind nur Tand.
Ich sitze während des Abendregens in meiner Hütte und strecke zur Antwort meine Füße aus.

(Ryokan)

Am Straßenrand

Wo am Straßenrand
der uralte Weidenbaum 
seinen Schatten wirft,
und der Bach vorüberrauscht,
stand ich lange, lange still –


(Saigyo)

Komm, komm

Komm, komm, wo immer du gerade bist!
Wanderer, Andächtiger, Liebhaber des Abschieds.
Es spielt keine Rolle.
Unsere Karawane ist kein Ort der Verzweiflung.
Komm, komm, selbst wenn du deine Gelübde
schon tausendmal gebrochen hast.
Komm, komm trotzdem wieder, komm!

(Inschrift auf dem Grab von Mevlana Dschelaleddin Rumi)

Frühling

Die Kinder vom Dorf laufen, um mich zu begrüßen, zum ersten Mal in diesem Frühling – wie sind sie gewachsen!

(Ryokan)

Der Weg

Der WEG liegt auf der Hand,

aber die Menschen suchen ihn in weiter Ferne.

Die Bauern benutzen ihn jeden Tag,

ohne sich dessen bewusst zu sein.

Nicht für einen Augenblick können wir von ihm getrennt sein.

Wovon wir getrennt sein können, das ist nicht der WEG.

(Konfuzius)

Heitere Gelassenheit

Ein einzigartiger Spiegel ist dieses klare Bewusstsein,
voll von Wundern ist dieses reine Widerspiegeln.
Der Tau und der Mond,
Die Sterne und die Flüsse,
Der Schnee und die Föhren,
Und die Wolken, die über den Berggipfeln schweben –
Unendliche Wunder warten und weben
in dieser heiteren Gelassenheit.

(Hung Chi)